Am Freitag fand der zweite und damit finale Photovoltaik-Gipfel des Bundeswirtschaftsministerium statt. Politik und Industrievertreter haben sich in Berlin getroffen, um die über 600 Rückmeldungen zum ersten Strategieentwurf zu diskutieren. Ziel war es, eine gemeinsame Strategie und Maßnahmen für den Ausbau von Solar in Deutschland festzulegen.

Was ist das Ziel?

Die Photovoltaik-Strategie des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums hat zum Ziel, den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen in Deutschland zu fördern und den Anteil erneuerbarer Energien im Strommix zu erhöhen. Konkret soll bis zum Jahr 2030 eine installierte Leistung von 100 Gigawatt Photovoltaik in Deutschland erreicht werden. Dafür sind verschiedene Maßnahmen geplant, wie zum Beispiel der Ausbau von Speichertechnologien und Netzinfrastruktur, die Förderung von Mieterstrommodellen und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Eigenversorgung mit Solarstrom. Auch die Entwicklung neuer Technologien und die Stärkung der Forschung und Entwicklung im Bereich Photovoltaik sind Teil der Strategie.

Welche Maßnahmen wurden beschlossen?

Konkret soll neben anderen Solar-Feldern auch die Nutzung von Balkonkraftwerken erleichtert werden. Dazu sind folgende Maßnahmen geplant:

  1. Meldepflicht vereinfachen oder streichen
    Aktuell muss noch jeder, der ein Balkonkraftwerk anschließt, die Anlage sowohl im sogenannten Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur sowie bei seinem jeweiligen lokalen Netzbetreiber anmelden. Der Aufwand ist zwar (theoretisch) nicht im Kosten verbunden, jedoch sehr hoch und die Anmeldungen bei den Netzbetreibern z. T. unverständlich und sehr unheitlich. Das ganze soll in Zukunft deutlich einfacher werden, so dass nur noch eine Eintragung im Marktstammdatenregister notwendig ist, da viele derzeit ihre Anlage auf Grund der Bürokratie erst gar nicht registrieren.
  2. Rückwärtsdrehende Zähler werden toleriert
    Ältere Stromzähler können in seltenen Fällen rückwärts laufen. Das betrifft tatsächlich nur noch sehr wenige Haushalte, bis auch hier dann die Netzbetreiber die Zähler gegen neue Baumodelle ausgetauscht haben. Grundsätzlich soll das aber kein Grund mehr sein, um auf ein Balkonkraftwerk verzichten zu müssen.
  3. Balkon-Solaranlagen kommen in die Liste der „priviligierten Maßnahmen“
    Sowohl im Wohnungseigentumgesetz (WEG), wie auch im Bürgerlichen Gesetzebuch BGB sollen Mini-Solaranlagen in die Liste der sogenannten privilegierten Maßnahmen aufgenommen werden. Das bedeutet, dass Vermieter z. B. ein Balkonkraftwerk nicht mehr bei ihrem Mieter verbieten können.
  4. Schukostecker als sogenannte „Energiesteckvorrichtung“ zulassen
    Damit soll das Thema durch den VDE abgeräumt werden, dass für Mini-Solaranlagen ein Spezial-Stecker vorgeschrieben wird, der wiederum nur von einem Elektriker verbaut werden kann. Hierbei hat man auch einen Blick in andere EU-Länder geworfen, wo der Schuko-Stecker gut funktioniert und es keine Spezial-Stecker gibt.
  5. Schwelle von 600W erhöhen
    Diese Maßnahme ist besonders spannend und richtet sich auch nach der Praxis auf EU-Ebene und in anderen Ländern. So sollen auch Balkonkraftwerke mit einer Einspeiseleistung von bis zu 800W toleriert werden. Das ist tatsächlich im Rest der EU schon verbreitet.

Das Ergebnis

Der nächste Schritt liegt jetzt beim Gesetzgeber und dem VDE die Maßnahmen in konkrete Vorgaben zu gießen. Zum einen wird dafür ein Gesetz vorgeschlagen, dass die rechtliche Grundlage schafft. Zum anderen ist der VDE für die Themen Stecker und Normierung hauptsächlich zuständig, um diese Punkte festzulegen.

Insgesamt sind das also sehr gute Nachrichten für alle, die Solar in kleinem oder größerem Umfang bei sich installieren und betreiben wollen. Bereits seit dem 01. Januar sind Solaranlagen inkl. Lieferung und Installation von der Umsatzsteuer befreit. Das bedeutet, dass es inzwischen keinen Grund mehr gibt, nicht auf die günstigen Möglichkeiten der Stromgewinnung durch Solar zu setzen.

Wir berichten hier auch weiter über zukünftige Updates zur Photovoltaik-Strategie der Bundesregierung.

Wer mehr zu den Details und Hintergründen lesen möchte kann auch direkt einen Blick in die Photovoltaik-Strategie des Bundeswirtschaftsministeriums werfen. Hier geht es zur Pressemitteilung und den Dokumenten.

Euer Team von Wattmeister