Wenn Du ein Balkonkraftwerk in Betrieb nimmst, ist offizielle vorgesehen, dass Dein neues Gerät auch angemeldet werden muss. Hier erklären wir Dir in Kürze und übersichtlicher Form, wie diese Anmeldung aussieht und welche Punkte zu beachten sind.

Was ist der Unterschied zwischen Anmeldung und Genehmigung?

Zum Verständnis: Die Anmeldung eines Balkonkraftwerks ist nicht das gleiche wie die Genehmigung einer großen Solaranlage. Denn sobald Du Deine Anmeldungen erledigt hast, bedarf es keiner Rückmeldung oder Zustimmung einer anderen Stelle, damit Du Deine Pflicht erfüllt hast. Große Anlagen müssen erst genehmigt werden, bevor sie in Betrieb gehen dürfen. Das ist mit deutlich mehr Papierkram verbunden.

1. Die Anmeldung bei der Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur betreibt das sogenannte Marktstammdatenregister, oder abgekürzt „MaStR“. Dort müssen alle „Energieerzeugungseinheiten“ registriert sind. Die Datensammelwut macht hier leider (noch) keine Ausnahme für Balkonkraftwerke. Somit ist ebenso für den Atomkraftwerksbetreiber, den Solardachanlagen- oder auch den Balkon-Solarbesitzer gleichermaßen hier eine Registrierung vorgeschrieben.

Unter www.marktstammdatenregister.de kannst Du dir kostenfrei ein Konto einrichten. Als Erstes musst Du dich als „Marktakteuer“ eintragen. Du bist dann als „Anlagenbetreiber“ in der Lage Deine Anlage zu registrieren. Die „?“-Tipps helfen dabei sich durch das Formular durchzuarbeiten.

Danach folgt das Eintragen der eigentlichen Gerätschaft. Hierzu legst Du eine neue „Einheit“ an. Etwas umständlich, aber mit ein wenig Geduld lässt sich das ganze in 10 Minuten durchklicken. Leg dir ggf. das technische Datenblatt Deiner Anlage bereit, falls Du manche Angaben nicht aus dem Kopf weißt.

2. Die Anmeldung beim Netzbetreiber

Was ist ein Stromnetzbetreiber?

Für jedes Postleitzahlgebiet gibt es nur einen Stromnetzbetreiber. Im Gegensatz zum Stromanbieter kannst Du daher den zuständigen Stromnetzbetreiber vor Ort nicht wählen oder wechseln. Der Netzbetreiber ist für den Bau und Betrieb des Stromnetzes in Deiner Region zuständig und sorgt somit für Deinen Anschluss ans Energienetz.

Der Netzbetreiber ist auf Deiner Stromrechnung zu finden. Manchmal ist aber neben dem Namen nur ein Code zu finden. Diese 13-stellige Nummer wird für Stromnetzbetreiber vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) zentral vergeben.

Um herauszufinden, wer Dein Stromnetzbetreiber ist, kannst Du auf Deine letzte Stromrechnung schauen. Dort findest Du entweder einen direkten Hinweis auf Deinen Stromnetzbetreiber oder den Netzbetreibercode. Mit dem Netzbetreiber Code kannst Du bspw. bei dem BDEW Dir anzeigen lassen, wer Dein Stromnetzbetreiber ist. Auf der Website des Stromnetzbetreibers findest Du auch inzwischen dann ein Dokument oder ein Online-Formular, über das Du Dein Balkonkraftwerk anmelden kannst.

ACHTUNG: Du solltest nicht einwilligen – ggf. notfalls widersprechen – dass auf Deine Kosten ein sogenannter Zweirichtungszähler oder „Einspeisezähler“ eingebaut wird. Ein solcher Zähler ist nur für große Solaranlagen erforderlich, wenn Strom in das öffentliche Netz eingespeist, abgerechnet und vergütet werden soll.

Für Stromzähler zahlt jeder Verbraucher eine feste „Zählermiete“. Die Kosten für einen nicht beauftragten Austausch muss der Stromnetzbetreiber tragen, der sein Messgerät in Deiner Wohnung an Dich dann regulär „vermietet“. Daher achte darauf, dass Du nicht unbeabsichtigt einem Austausch zustimmst und Dir hierzu Kosten in Rechnung gestellt werden.

Es kann jedoch sein, dass manchmal besonders alte Stromzähler ausgetauscht werden müssen und der Stromnetzbetreiber daher einen digitalen Zähler oder Smart Meter einbauen möchte. Auch hier dürfen keine Zusatzkosten für Dich entstehen. Jedoch ist der Austausch für den Stromnetzbetreiber und Dich sinnvoll und sollte vorher abgesprochen sein.

AUF NUMMER SICHER: VERMIETER FRAGEN

Im Jahr 2022 gab es ein Gerichtsurteil zum Thema, ob Vermieter ein Balkonkraftwerk verbieten dürfen. Im Ergebnis wurde entschieden, dass ein Vermieter ein Balkonkraftwerk nicht verbieten darf. Auch darf einer Vermieter, so das BGH in einem Grundsatzurteil, „sein Ermessen nicht rechtsmissbräuchlich ausüben“. Der Link zum Urteil findet sich unter diesem Blog-Artikel.

Unter besonderen Umständen kann das natürlich anders aussehen. Grundsätzlich empfehlen wir, dass Du Deinen Vermieter informierst und ggf. auf bestimmte Wünsche des Vermieters Rücksicht nimmst, wie z. B. das Bohren von Löchern in der Fassade zu vermeiden. Am besten schickst Du Deinem Vermieter gleich die technischen Beiblätter mit. Damit sind oft alle Fragen direkt geklärt.

Bundesverband Wohnungswirtschaft gibt grünes Licht

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V hat sich auch umfassend mit dem Thema Balkonkraftwerk auseinander gesetzt. Auch bei den Kommunen steht man einer Balkon Solaranlage grundsätzlich offen gegenüber. Insbesondere gab es schon einige Gerichtsurteile zu dem Thema, die alle dem jeweiligen Mieter, bzw. Balkonkraftwerksbetreiber, recht gaben:

Achtung: Dieser Artikel ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Auch können sich Vorschriften und die Anmeldeverfahren selbst über die Zeit ändern. Bitte beachte das.